Svenja Schulze

Über mich

Ich werde immer wieder gefragt, wie man eigentlich Bundesministerin wird. Dafür gibt es kein Rezept und darauf kann man sich auch nicht wirklich bewerben. Aber ich beschreibe gerne meinen Lebenslauf.

Familie und Kindheit im Rheinland
Ich bin im Rheinland geboren; zur Schule ging ich in Neuss. Meine Mutter war Sekretärin im Betriebsrat von Mercedes-Benz, mein Vater Kapitän zur See. Ich habe einen jüngeren Lieblingsbruder, der bis heute als Lackierer in der Automobilindustrie arbeitet und mit dem ich engen Kontakt habe.

Erste politische Erfahrungen in der Jugend
In meiner Jugend war ich völlig sportbegeistert. Meine Freizeit habe ich mit Sprint, Tauchen und Unterwasser-Rugby verbracht. Und der Sport hat mich schließlich auch politisiert. Weil wir auf dem Mädchengymnasium aus meiner Sicht unmögliche Sportkleidung tragen sollten, habe ich mich dagegen gewehrt. Ich bin auf das Norfer Gymnasium gewechselt. Und bin dann auch ich in die Schüler*innenvertretung gegangen und habe gelernt, was Interessenvertretung bedeutet. Und dass es Probleme gibt, die es auch an anderen Schulen gibt, gegen die man am besten gemeinsam vorgeht. Am besten ging das mit einem Engagement in der Bezirksschüler*innenvertretung. Da habe ich dann auch die SPD und die Jusos kennengelernt.

Die Jusos waren für mich wirklich klasse. Die vielen Seminare und Diskussionsmöglichkeiten waren ein großes Geschenk. Ich hatte so viele Fragen, fand so Vieles ungerecht und unverständlich. Bei den Jusos haben wir das alles diskutiert. Nicht nur Bildung, sondern viele Themen interessierten uns: von der Geschlechtergerechtigkeit bis zum Ausstieg aus der Kohle und dem Vorantreiben der Energiewende. Ich habe mich dann immer weiter bei den Jusos engagiert und wurde 1987 Landesschüler*innensprecherin und von 1993 bis 1997 auch Juso-Landesvorsitzende.

Studienzeit in Bochum
Nach dem Gymnasium ging ich ins Ruhrgebiet zum Studieren. An der Universität Bochum waren es wieder die Jusos, die mir Orientierung und Hilfe für den Einstieg gaben. Ich habe mich im SHB engagiert und habe 1990 als AstA-Vorsitzende die Leitung der Studierendenvertretung übernommen. Wir haben damals die großen Themen der Zeit diskutiert. Unter dem Titel „Kein Blut für Öl“ haben wir gegen den Krieg am Golf demonstriert. Aber eben auch ganz konkrete Hilfe und Unterstützung für Studierende geleistet, z.B. mit Rechtsberatung, Studienberatung und konkreter gegenseitiger Unterstützung im Studium. Studiert habe ich natürlich auch und mein Studium der Germanistik und Politikwissenschaften 1996 abgeschlossen.

Berufliche Stationen, Arbeit im Landtag und als Wissenschaftsministerin in NRW
Mehr junge Leute müssen in die Parlamente! Dafür habe ich mich als Juso-Landesvorsitzende eingesetzt und deshalb auch selber für den Landtag kandidiert. 1997 war es dann soweit: Ich bin zum Ende meines Studiums in den Landtag nachgerückt, den ich aber am Ende der Legislatur, im Jahre 2000, wieder verlassen habe. Bis Ende 2004 habe ich als Unternehmensberaterin für verschiedene Beratungshäuser gearbeitet. Ich war vor allem im sogenannten „Public Sector“, also für die öffentlichen Verwaltungen und Krankenkassen, tätig. Es ging um Themen wie bessere Organisation der Verwaltung, Aufstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten für Beschäftigte oder bessere Kommunikation.
Von 2004 bis März 2018 war ich wieder Abgeordnete im Landtag NRW. Bei den Landtagswahlen von 2012 konnte ich sogar den Wahlkreis Münster-Süd für die SPD direkt gewinnen. Im Landtag war ich viele Jahre Sprecherin meiner Fraktion für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherpolitik. Die Zeit der ersten schwarz-gelben Regierung war für uns als NRWSPD bitter. Aber wir konnten das nach einer Wahlperiode wieder beenden und Rüttgers mit einer rot-grünen Minderheitsregierung ablösen. In der Regierung mit Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin war ich von 2010 bis 2017 Ministerin für Wissenschaft und Innovation. Ich bin sehr stolz, dass ich in dieser Zeit die Studiengebühren in NRW wieder abschaffen und viel Geld für die Hochschulen in NRW mobilisieren konnte.

Amtsantritt als Bundesumweltministerin 
Mit der Niederlage bei den Landtagswahlen im Jahr 2017 haben wir nicht wirklich gerechnet. In die Opposition zu müssen, das war erst einmal eine harte Zeit für alle in der SPD. Ich konnte als Generalsekretärin der NRWSPD 2017 und 2018 helfen, die Partei wiederaufzubauen und habe den Bundestagswahlkampf 2017 für NRW mit organisiert. In dieser Funktion habe ich (nachdem die Jamaika-Verhandlungen an der FDP gescheitert sind) den Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung mit verhandelt. 

Seit März 2018 bin ich sehr gerne Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Eine Aufgabe mit einer hohen Verantwortung für die zentralen Zukunftsherausforderungen unserer Zeit.

Münster
Nach Münster bin ich 2004 wegen der Liebe gezogen. Mein Mann Andrea und ich sind jetzt seit 1998 zusammen. Wir leben sehr gerne im Südviertel und genießen die hohe Lebensqualität in dieser Stadt. Spazieren gehen um den Aasee, die Leezen-Tour, unsere Lieblingsbuchhandlung in der Innenstadt und der Münsteraner Markt sind feste Bestandteile unseres Alltags.

Meine Mitgliedschaften
Für mich als Sozialdemokratin war von Anfang an klar, dass ich auch Gewerkschafterin werde. Ich trat noch während meines ersten Ferienjobs in die IG Metall ein, später auch in die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE). Auch wenn die Politik mein Beruf geworden ist, so habe ich mich doch auch immer gewerkschaftlich engagiert. Zum Beispiel beim Aufbau der IGBCE Frauenstrukturen in meinem Bezirk Münster-Bielefeld. Eine Initiative, die bis heute von aktiven Gewerkschafterinnen getragen wird und wichtige Impulse für die Gewerkschaftsarbeit leistet.